Start des Kinderzentrums auf Lesbos verzögert sich (Tiroler Tageszeitung, 19.1.2021)

Lesbos – Der Start der von der Bundesregierung finanzierten Tagesbetreuungsstätte für geflüchtete Kinder auf Lesbos verzögert sich. Wegen der Corona-Situation vor Ort sei man mit einer Reihe von „besonderen Herausforderungen“ konfrontiert, sagt SOS-Kinderdorf-Geschäftsführerin Elisabeth Hauser. Am liebsten hätte man „schon vorgestern mit der Betreuung von Kindern gestartet, denn die Zustände sind verheerend“. Mehr…

Zu Weihnachten hatten die griechischen Behörden nach der Prüfung des Projekts die Errichtung bewilligt. Hernach ging es an die Klärung von Details, etwa wo genau das aus Containern bestehende Kinderbetreuungszentrum errichtet werden kann. Vergangene Woche bekamen die SOS-Mitarbeiter auf Lesbos den Sanktus für eine Begehung des wegen Corona unter Quarantäne stehenden Camps Kara Tepe 2, das nach dem verheerenden Brand des Camps Moria als Ausweichlager eingerichtet worden war.

Den Experten sei es bis dato wegen des jüngsten Corona-Ausbruchs auf Lesbos aber noch immer nicht möglich gewesen, in das Camp zu kommen, um die dringendsten Bedürfnisse der Kinder und Familien zu erheben, heißt es von SOS-Kinderdorf.

Auch den wichtigen Termin mit Behörden, Entscheidungsträgern und Partnern habe es deshalb nicht gegeben, zudem sei die Reisetätigkeit der Mitarbeiter zur Abstimmung mit anderen Organisationen „zum Teil unmöglich“.

Um trotz der Verzögerung schon jetzt Unterstützung zu bieten, würden andere Optionen geprüft – die vorübergehende Betreuung von Kindern in der bestehenden Tagesbetreuungsstätte, etwa im Camp Kara Tepe 1. Das sei „rasch umsetzbar“, sagt Hauser. Langfristig sei aber ein eigener Ort nötig, an dem die Tagesbetreuung in oder vor dem Camp möglich sei.

Zunächst könnten drei Container wenige Meter außerhalb von Kara Tepe 2 aufgestellt werden, war vor wenigen Wochen kundgetan worden. Man sei aber „bereit zu wachsen“, das hänge vor allem von den Bedingungen vor Ort ab, sagte Hauser damals. (APA, TT)

Weniger…

NZZ berichtet am 15. Jänner 2021 über Kara Tepe

Rund 7500 Menschen, darunter viele Kinder, Schwangere und Kranke, hausen auf Lesbos im neuen, provisorischen Lager auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Kara Tepe. Ein neues Gesetz der griechischen Regierung verbietet es Helfern in Flüchtlingslagern, mit Medien über Missstände zu sprechen, wie die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisiert. Eine deutsche Ärztin berichtete der Nachrichtenagentur dpa dennoch (23. 12.) von einer Schlammwüste bei Regen, durch Stürme zerstörte Zelte, eine generell unzureichende Versorgung und die Aussichtslosigkeit der Einwohner. Mangels Waschmöglichkeiten seien Krätze und Läuse allgegenwärtig, behandelt würden häufig offene Wunden, Abszesse, Durchfall- und Atemwegserkrankungen sowie Gelenkschmerzen, die sich wegen der Feuchtigkeit und schlechter Schlafstätten einstellen. Auch zu Gewaltausbrüchen kommt es immer wieder – vergangene Woche soll im Lager ein dreijähriges Mädchen vergewaltigt worden sein, wie SOS-Kinderdörfer mitteilten. Nun soll bis September eine Art Vorzeige-Lager auf Lesbos entstehen – unter Mitwirkung der EU-Kommission und mehrerer EU-Behörden. Es ist nicht das erste Mal, dass Hilfsorganisationen kritisieren, Kara Tepe sei noch schlimmer als das Lager Moria, das vor gut 100 Tagen bei einem Grossbrand zerstört wurde und als Symbol für das Scheitern der europäischen Asylpolitik galt.


Kinder verzweifeln in Lesbos, wenden sich an EU-Abgeordnete (27.12.2020)

Katrin Glatz-Brubakk ist Kinderpsychologin, engagiert sich bei Ärzte ohne Grenzen und ist zur Zeit auf Lesbos. Ein Ton-Dokument. Einzelne Ländern und deutsche Kommunen reagieren.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/lager-kara-tepe-auf-lesbos-die-kinder-verzweifeln-ueber-die.1008.de.html?dram:article_id=489920 

Weniger Flüchtlinge auf den ostägäischen Inseln, Lage trotzdem prekär (17.12.2020)

Der Standard berichtet ausführlich über Verbesserungen der Flüchtlingssituation, aber trotzdem prekär. Deutschland 900 Flüchtlinge aufgenommen. Die EU hofft auf weitere Bereitschaft anderer Staaten.

https://www.derstandard.at/story/2000122561472/deutlich-weniger-fluechtlinge-auf-ostaegaeischen-inseln

Nehammer: Nur ein Teil der Zelte landete in Lesbos (30.11.2020)

https://www.vienna.at/nehammer-nur-ein-teil-der-zelte-landete-in-lesbos/6825151

150 Paletten im Hangar: Soforthilfe überflüssig? (Profil 20.10.2020)

https://www.profil.at/ausland/150-paletten-im-hangar-nehammers-soforthilfe-fuer-lesbos-vergeblich/401071388