Bischof Scheuer unterstützt Proteste gegen Flüchtlingspolitik (27.1.2021, Kathpress)

Linzer Bischof fordert Umdenken der Politik und betont Engagement der Pfarren in der Flüchtlingsbetreuung seit 2015 Mehr…
Der Linzer Bischof Manfred Scheuer fordert ein Umdenken in der Flüchtlingspolitik. In der aktuellen Ausgabe der Kirchenzeitung der Diözese Linz stellt sich Scheuer hinter die jüngste Solidaritätsaktion für Menschen auf der Flucht vor dem Linzer Mariendom. "Ich unterstütze die Aktion, weil ich hoffe, dass es in Europa und Österreich ein Umdenken in der Flüchtlingspolitik gibt", so der Diözesanbischof wörtlich. Symbolaktionen würden zwar sicher nicht alle Probleme lösen, "aber sie geben zu denken". Scheuer hob in diesem Zusammenhang auch das Engagement der Pfarren in der Flüchtlingsbetreuung seit 2015 lobend hervor.

Als positives Beispiel nannte Scheuer die Gemeinde Mondsee, in der es seit 2015 einen Fachausschuss für Asyl gib, wie auch Pastoralassistentin Dagmar Pfannhofer in der Kirchenzeitung berichtete. Damals wurden im Pfarrgebiet Wohncontainer für Flüchtlinge aufgestellt. Die Integrationsarbeit habe reiche Früchte getragen, da nun wieder die Bereitschaft bestehe Menschen aufzunehmen.

"Wir haben entsprechende Briefe an Bundeskanzler Kurz geschrieben", so Pfannhofer. Die Antworten seien aber eine "PR-Angelegenheit" gewesen. Zwar habe die Pfarre gute Kontakte ins Umland und zu den politischen Gemeinden; aktuell erlebe man aber eine gewisse Hilflosigkeit, sagte Pfannhofer, "auch, weil wir durch unsere Kontakte nach Kara Tepe hören, dass die versprochene 'Hilfe vor Ort' dort nicht ankommt".

Bischof Scheuer zeigte sich in der Kirchenzeitung überzeugt, dass es eine Vernetzung und eine Koordination zwischen Bund, Ländern und Gemeinden sowie Hilfsorganisationen und allen brauche, die bei der Integration Verantwortung übernehmen.
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"Humanitäre Lösung für griechische Inseln angemahnt (Bischof Kohlgraf, Pax Christi 23.1.2021)

Berlin, 23.01.2021 (KAP/KNA) Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat eine humanitäre Lösung für die europäischen Flüchtlingslager angemahnt. "Wir müssen handeln", sagte der Vorsitzende von "Pax Christi Deutschland" bei einer digitalen Veranstaltung der Bistumsakademie Erbacher Hof, wie die Diözese Mainz am Samstag mitteilte. Jeder solle im Rahmen den eigenen Möglichkeiten aktiv werden und dabei nicht zwischen lokaler und globaler Verantwortung unterscheiden. "Beides muss im Blick bleiben", betonte Kohlgraf. Er verwies auf die biblische Geschichte vom Barmherzigen Samariter: Dieser habe "einfach geholfen, ohne nach Gründen oder Schuld zu fragen."

Angesichts dessen, was Europa leisten könnte, drohe im Hinblick auf die Lager auf den griechischen Inseln eine moralische Bankrotterklärung, sagte der Bischof weiter. "Wer so mit Menschen umgeht, der verrät den Glauben, für den Europa mal gestanden hat."

Steirische Kirchenn appellieren an Kanzler Kurz (18.1.2021, KATHPRESS9

Die Kirchen in Österreich lassen nicht locker in ihrem Bemühen, angesichts der katastrophalen Lage in griechischen Flüchtlingslagern von der Regierungsspitze eine Kursänderung der rigiden Asylpolitik zu erwirken. Am Montag hat sich das "Ökumenische Forum christlicher Kirchen in der Steiermark" in einem Offenen Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz gewandt, um die "schon mehrstimmig laut gewordene Bitte um Barmherzigkeit in der Flüchtlingsfrage auch von unserer Seite zu unterstützen" und um selbst Hilfe dabei anzubieten. "Wir bitten Sie um das entscheidende 'Ja', damit die vielen Menschen und Institutionen, die bereitstehen, um Hilfe leisten zu können, tätig werden dürfen", heißt es in dem Kathpress vorliegenden Schreiben. Mehr…

Seit Wochen gibt es ähnliche Appelle verschiedener kirchlicher Persönlichkeiten und Organisationen: Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, sein Vorgänger Kardinal Christoph Schönborn und weitere Diözesanbischöfe - darunter der selbst zu einem Lokalaugenschein nach Lesbos gereiste Innsbrucker Bischof Hermann Glettler - baten rund um Weihnachten um Barmherzigkeit, ebenso die Ordensgemeinschaften, die Caritas oder bereits vor mehr als einem Monat die Katholische Aktion Österreich (KAÖ). Deren Appell an Kanzler Kurz und Innenminister Karl Nehammer zu "Menschlichkeit für Flüchtlinge" blieb bis dato unbeantwortet, wie KAÖ-Generalsekretär Josef Pumberger am Montag gegenüber Kathpress mitteilte.

Die im Ökumenischen Form vertretenen christlichen Kirchen in der Steiermark seien sich "völlig einig, dass wir gegenüber den Menschen, die ein Desaster überlebt haben (Moria) und jetzt das nächste Desaster erleiden müssen (Kara Tepe), dringenden Handlungsbedarf haben", heißt es in dem jüngsten Brief zur Causa. Dies gelte nicht nur vor Ort - wie von der Regierung mehrfach betont -, sondern auch in Österreich, angesichts der vorhandenen Ressourcen im Land. "Wohl wissend und auch mit bedenkend, dass es rund um den Globus noch viele und immer zu viele Krisenherde und Flüchtlingsdramen gibt, steht es uns mehr als gut an, in diesem Drama am Rande unseres gemeinsamen Europa ein Zeichen zu setzen", heißt es in dem Schreiben an den Bundeskanzler.


In steirischen Kirchen ist Platz

Die steirischen Kirchen versichern ihre Bereitschaft, Menschen aus dem Lager Kara Tepe auf Lesbos aufzunehmen, "es ist alles vorbereitet". Der vom Grazer Stadtpfarrpropst und Vorsitzenden des Ökumenischen Forums unterzeichnete Brief zieht auch Parallelen zur gegenwärtige Pandemie: "So wie Sie und die Regierung immer wieder und beständig für einen gemeinsamen Schulterschluss in der Corona-Krise gebeten und geworben haben, den wir als Kirchen und Religionsgemeinschaften mitgetragen und mit viel Kreativität umgesetzt haben, so bitten wir jetzt um einen Schulterschluss mit uns in dieser Frage der Mitmenschlichkeit, der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit."

Zur möglichen Flüchtlingsaufnahme betonte Leibnitz weiter gegenüber Kurz: "Wir werden das organisieren und schaffen, daran besteht überhaupt kein Zweifel. Aber geben Sie uns die Gelegenheit dazu."

Bereits am Wochenende hatte es aus der Steiermark ein konkretes Angebot in dieser Causa gegeben: Die kirchlich mitgegründete "Solidarregion Weiz" will fünf Familien mit gültigem Asylstatus aus Lesbos im Bezirk Weiz aufnehmen.

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Bischof Glettler: "Hilfe vor Ort reicht nicht aus" (Kathpress, 17.1.2021)

Angesichts der andauernden Notsituation von Flüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos braucht es mehr als nur eine Hilfe vor Ort, diese "reicht nicht aus": Darauf hat der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, jüngst Besucher des Flüchtlingslagers Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos, in der ORF-Sendereihe "Orientierung" am Sonntag hingewiesen. Glettler erinnerte daran, dass Kara Tepe als Notfalllager aufgebaut worden sei, dessen Infrastruktur nicht für den Winter taugte. "Wir können und dürfen Menschen darin nicht internieren", mahnte der Bischof. Mehr…

Er bekräftigte damit auch seine Forderung zumindest 100 Familien in Österreich aufzunehmen. Gemeint seien Familien, die ohnehin schon einen positiven Asylbescheid hätten, aber von Lesbos nicht wegkommen.

"Alles, was man unternimmt, damit die Menschen über den Winter kommen ist wichtig", meinte Glettler zu den aktuellen Bemühungen, eine Infrastruktur für die circa 7.500 Flüchtlinge in Kara Tepe aufzubauen. Trotzdem herrsche auf Lesbos ein humanitärer Notstand, der nur durch eine Teilevakuierung - besonders der vulnerablen Gruppen, wie Familien mit Kleinkindern - gelöst werden könne, so der Innsbrucker Diözesanbischof.

Der Vorschlag 100 Familien in Österreich aufzunehmen, sei unabhängig von der Asyldebatte zu bewerten, da es sich um einen humanitären Notfall handle, erläuterte Glettler. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Zahl von 100 Familien eine "willkürliche Zahl" sei; es gehe um eine "überschaubare Zahl an Personen, die wir leicht aufnehmen und integrieren können". Schon jetzt gebe es 250 Familien auf Lesbos mit einem positiven Asylbescheid, von dieser Gruppe könnte Österreich eine gewisse Zahl an Schutzsuchenden aufnehmen, lautete sein Vorschlag.

Seinen Einsatz für Schutzsuchende auf der griechischen Ägäis-Insel erklärte Glettler mit der Aufforderung des Evangeliums, dass "Nächstenliebe nicht am Tellerrand der eigenen Befindlichkeit" stehen bleiben soll. Das Christentum habe eine "politische Stoßkraft" und auch als Bischof müsse er auf "soziale Wunden schauen". Als christlich-soziale Politik bezeichnete es Glettler in diesem Zusammenhang, Menschen zu Hilfestellungen zu ermutigen, "zu schauen, dass alle Ressourcen der Menschlichkeit freigesetzt werden können". Zudem sei es christlich-sozial die sozialen Zusammenhänge zu betrachten und gegen Ängstlichkeit zu motivieren.

Breite Unterstützung

Unterstützung erhalte er auch vonseiten der Bischofskonferenz (Biko), bekräftigte Glettler. Sowohl im pfingstlichen Hirtenwort, als auch in der Vollversammlung im November, hätte sich die Biko zu Wort gemeldet und die Situation auf Lesbos als "Schande innerhalb Europas" bezeichnet und dazu aufgerufen aktiv zu werden.

Zuletzt hatten sich zahlreiche Kirchenvertreter, darunter Kardinal Christoph Schönborn und Erzbischof Franz Lackner, für die rasche Aufnahme besonders Notleidender aus Kara Tepe ausgesprochen. Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen schloss sich dem Appell an den türkisen Teil der Bundesregierung an. Zuletzt hatten auch christliche Initiativen dazu aufgerufen, Flüchtlinge aus Lesbos aufzunehmen, etwa die "Solidarregion Weiz". Eine breite Bewegung in ganz Österreich wünscht sich mittlerweile eine humanitäre Aufnahme der Notleidenden, wies Glettler zuletzt in der "Tiroler Tageszeitung (3.1) hin. Fügen Sie hier den erweiterten Text ein.

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Glettler, Fischler und Felipe: Hilfe vor Ort UND AKUTE NOTHILFE (4.1.2021, KATHPRESS)

Innsbruck, 04.01.2021 (KAP) "Man darf die Menschen, die auf Lesbos in einem überfüllten Notlager ohne ausreichenden Schutz vor Kälte und Nässe festsitzen, nicht zum Spielball einer europäischen ­Abschreckungspolitik machen." Das hat der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, der sich bei einem Lokalaugenschein im Advent selbst von den menschenunwürdigen Zuständen im Flüchtlingslager Kara Tepe überzeugen konnte, anlässlich einer Solidaritätsaktion junger Tiroler betont. Mehr…

 Als Sinnbild für die Lage frierender Flüchtlinge campieren sie seit Tagen im Kalten, wie die "Tiroler Tageszeitung" (TT, 3.1.) berichtete. Glettler sagte den in der Innsbrucker City Zeltenden seine Unterstützung zu, denn "was sich in ­Griechenland und in Bosnien gerade abspielt, ist eine große humanitäre Katastrophe, eine Schande für Europa".

In diesem Zusammenhang erneuerte der Bischof die kirchlicherseits vielfach geäußerte Bitte an Bundeskanzler Sebastian Kurz, zumindest 100 Familien in Österreich aufzunehmen. Gemeint seien Familien, die ohnehin schon einen positiven Asylbescheid hätten, aber von Lesbos nicht wegkommen. "Die aktuelle Notlage und unser Gewissen verpflichten uns dazu", sagte Glettler am Montag gegenüber Kathpress.

"Selbstverständlich braucht es auch die Hilfe vor Ort, gerade für Kinder. Aber man sollte das eine nicht gegen das andere ausspielen", meinte Glettler. Dieses Anliegen teilen auch Ex-EU-Kommissar Franz Fischler und Grünpolitikerin Ingrid Felipe, die gemeinsam mit dem Innsbrucker Bischof Kerzen entzündeten.

Eine breite Bewegung in ganz Österreich wünscht sich mittlerweile eine humanitäre Aufnahme der Notleidenden, wies Glettler hin. "Es wäre kein Zeichen von Schwäche, sondern eines von politischer Führungsstärke, wenn unser Bundeskanzler in dieser Frage seine Einstellung ändern würde."

Mehr als 100 Protestierende

Dass die Bundesregierung trotz der unbestritten desolaten Verhältnisse auf Lesbos bei ihrem Nein zur Aufnahme von Flüchtlingen bleibt, wollte Niki Neureiter, Gründer der Initiative "Ein Wochenende für Moria", laut TT nicht länger hinnehmen. "Es kann nicht richtig sein, dass wir zu Hause in der Wärme sitzen und irgendwelche Petitionen unterschreiben mit dem Wissen, was in den Lagern abgeht." Um an die "moralische Pflicht" der Regierung zu erinnern, verbringen Neureiter und inzwischen viele andere Tiroler als Privatpersonen die Wochenenden in Zelten am Vorplatz des Innsbrucker Landestheaters. Als am Samstagabend Kerzen als Zeichen der Solidarität angezündet wurden, gesellte sich auch Bischof Glettler zu den inzwischen mehr als 100 Protestierenden.


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Junge Tiroler solidarisch mit griechischen Lagerinsassen (4.1.2021)

Junge Tiroler bezeugen an Wochenenden in kalten Zelten Solidarität mit griechischen Lagerinsassen - Glettler: "Menschen nicht zum Spielball einer europäischen ­Abschreckungspolitik machen".
Ex-EU-Kommissar Franz Fischler und Grünpolitikerin Ingrid Felipe, die gemeinsam mit dem Innsbrucker Bischof

Video Prof. Paul Michael Zulehner zu Theologie und christlich-sozialer Politik (1.1.2021)

Hier kommen Sie zum Video:

P.M. Zulehner: Christlich-soziale Flüchtlingspolitik im Widerstreit von Theologen (1.1.2021)

Mit scharfen Worten hat sich der Wiener Theologe und Werteforscher Paul Zulehner gegen Äußerungen gewandt, die die Sozialethikerin Ingeborg Gabriel und der Moraltheologe und Medizinethiker Matthias Beck bei einer Online-Diskussion über das Buch "Christlich-soziale Signaturen" tätigten. Zur auch kirchlicherseits viel kritisierten Weigerung der Regierung, Flüchtlinge in Österreich aufzunehmen, hatten die beiden von der Politischen Akademie der ÖVP geladenen Fachleute gemeint, hier gebe es nicht "die eine" christlich-soziale Politik, Christen könnten legitimerweise unterschiedlicher Meinung sein.

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Schönborn-Appell an Regierung: Flüchtlingsfamilien aufnehmen! (18.12.2020)

Kardinal weist in seiner Freitagskolumne in Gratiszeitung "Heute" auf humanitäre Katastrophe in Flüchtlingslagern auf Lesbos hin - Erzbischof in Stellungnahme gegenüber Kathpress: "100 Familien mit kleinen Kindern Schutz und Herberge in Österreich geben" Mehr…

Kardinal Christoph Schönborn appelliert an die österreichische Bundesregierung, besonders schutzbedürftige Flüchtlingsfamilien von Lesbos aufzunehmen. In seiner Freitagskolumne in der Gratiszeitung "Heute" wie auch in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress verweist Schönborn zum einen auf die katastrophalen humanitären Zustände im Flüchtlingslager Kara Tepe II auf Lesbos und zum anderen darauf, das in Österreich "Bürgermeister, Gemeinden und Pfarren ihre Bereitschaft erklärt hätten, Familien aufzunehmen.


Die Menschen in diesen Lagern hätten fast immer dramatische Fluchtwege hinter sich, so der Kardinal in "Heute". Die Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft halte sie aufrecht. "Wir können nicht alles Leid der Welt lösen. Aber das Klopfen der Herbergsuchenden sollten wir nicht überhören", appellierte der Kardinal an die politisch Verantwortlichen wie auch die Zivilgesellschaft in Österreich. Nachsatz: Auch Jesus sei einst ein Herbergsuchender gewesen.


Gegenüber Kathpress bekräftigte der Kardinal am Freitag seine Forderung: Eine humanitäre Katastrophe wie jene auf den griechischen Inseln müsse eine humanitäre Kraftanstrengung zur Folge haben. "Wenige Tage vor Weihnachten erleben wir auf europäischem Boden eine beispiellose Herbergssuche, bei der tausende Menschen - darunter sehr viele Familien und Kinder - in überfluteten Zelten ausharren müssen. Manche der Babys sind erst zwei Wochen alt. Hier geht es um Neugeborene", so der Kardinal. Er verwies auch auf den jüngsten Besuch des Innsbrucker Bischofs Hermann Glettler in Lesbos, der sich persönlich ein Bild von der Katastrophe machen konnte.


Österreichs Bischöfe hätten es in der Vergangenheit stets begrüßt, wenn die Bundesregierung oder jetzt die einzelnen Bundesländer Schritte gesetzt haben, um geflüchteten Menschen im Norden Syriens und auf den griechischen Inseln beizustehen. "Die Zusicherung finanzieller Hilfen und die Lieferung von Hilfsgütern ist richtig und hoffentlich Ermutigung für andere Staaten Europas, diesem Beispiel zu folgen", so Schönborn. Doch trotz intensiver Anstrengungen vieler EU-Staaten und zahlreicher Hilfsorganisationen und Initiativen vor Ort sei es bis heute nicht gelungen, die Situation der Menschen nachhaltig zu verbessern und einen menschenwürdigen Umgang mit Schutz suchenden Menschen sicherzustellen. Im Gegenteil: "Die Lage spitzt sich weiter zu."


Deshalb sein Appell an die österreichische Bundesregierung, neben der Hilfe vor Ort jetzt auch all jene Orte in ganz Österreich zu unterstützen, die sich bereit erklärt haben, Familien mit Kindern bei sich aufzunehmen. Österreich habe in der Vergangenheit immer wieder eindrucksvoll bewiesen, "dass es sich seiner humanitären Verantwortung bewusst ist". Österreich habe sich immer wieder an humanitären Aufnahmeprogrammen beteiligt, betonte der Kardinal und weiter: "Wir können und sollen an diese positive Erfahrung aus der Vergangenheit auch jetzt anschließen. Unsere gemeinsame Bitte lautet, jetzt dem Beispiel Deutschlands, der Schweiz und anderer europäischer Staaten zu folgen und den Schwächsten der Schwachen - etwa 100 Familien mit kleinen Kindern - Schutz und Herberge auch in Österreich zu geben."


Das Corona-Virus habe allen in den vergangenen Monaten sichtbar vor Augen geführt, "wie verletzlich auch unsere Gesellschaft und unser aller Leben sein können". Ein Leben in Sicherheit sei nicht selbstverständlich. "Diese Erfahrung sollte uns auch hellhörig bleiben lassen, wenn Menschen gezwungen sind, vor Krieg und Verfolgung aus ihrer Heimat zu fliehen", so Schönborn. (18.12.2020)

 

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“Hilfe vor Ort” sei nicht angekommen – “Wer ein Kind rettet, rettet die ganze Welt” Bischof Chalupka (11.12.2020)

Evangelischer Bischof Chalupka für Aufnahme von Kindern aus Lager Kara Tepe Mehr…

Für die Aufnahme von unbegleiteten Minderjährigen und besonders vulnerablen Familien aus dem griechischen Flüchtlingscamp Kara Tepe hat sich der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka ausgesprochen. Die Berichte aus dem provisorischen Lager auf Lesbos, das nach dem Brand des Camps Moria im September eingerichtet worden war, hätten gezeigt, das die auch von der österreichischen Bundesregierung versprochene Hilfe vor Ort nicht angekommen sei: “Das, was uns gesagt wurde, war falsch. Vor Ort wird nicht geholfen. Die Menschen leben im Elend. Und die Länder, die Kinder und Jugendliche aufgenommen haben, haben keine Pull-Effekte ausgelöst”, verweist Chalupka gegenüber dem Evangelischen Pressedienst etwa auf die Beispiele Deutschlands und Frankreichs. Jetzt gelte es, aus Fehlern zu lernen. “Das gilt auch für unsere Regierung, gerade vor Weihnachten. Wer ein Kind rettet, rettet die ganze Welt. Es ist Zeit!”, betont Chalupka, der die Initiative “Courage – Mut zur Menschlichkeit” unterstützt.

In den vergangenen Tagen hatten Medien und Aktivisten wie der Diakonie-Asyl-Experte Christoph Riedl von der Lage der Flüchtlinge auf Lesbos berichtet. „Das Lager wurde nur als Übergangslösung nach dem Brand eingerichtet. Entsprechend ungeeignet sind die Zelte, in denen die Menschen hier leben müssen. Sie können Wind und Wetter in den Wintermonaten nicht ausreichend standhalten”, hatte Riedl nach einem Lokalaugenschein gesagt und die Evakuierung des Lagers gefordert.

Rückfragen & Kontakt:

Presseamt
Michael Windisch, MA
069918877048
epd@evang.at
https://evang.at

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Appelle zur Aufnahme von Flüchtlingen --- Onlinetagung der Katholischen Sozialakademie Österreich (22.9.2020, ksoe)

Flüchtlinge. „Zur fairen Verteilung und Aufnahme von verzweifelten Flüchtlingen in Europa gibt es jetzt keine menschlich verantwortbare Alternative mehr“: Dieses Wort des Innsbrucker Diözesanbischofs Hermann Glettler hat die „Tiroler Tageszeitung“ (Freitag) als Hinweis darauf zitiert, dass „der Ruf nach Aufnahme von Flüchtlingen aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria auf Lesbos immer lauter“ werde. Kirchlicherseits schloss sich am Freitag die katholische Friedensbewegung Pax Christi Österreich entsprechenden Appellen der Österreichischen Bischofskonferenz, der heimischen Ordensgemeinschaften, der Katholischen Frauenbewegung und Katholischen Jugend sowie zahlreicher Einzelpersonen an. Die von der Regierung zuletzt beschlossenen Sachleistungen „sind gut, lösen aber die menschlichen Probleme nicht“, so Pax Christi.  


ksoe. Kraftvolles Lebenszeichen einer Institution im Umbruch: Bei einer Online-Tagung diskutierten am Montag Sozial- und Politikwissenschaftler/
-innen sowie Theologinnen und Theologen über die Aktualität der Katholischen Soziallehre und die Relevanz der Katholischen Sozialakademie Österreich (ksoe). Der Tenor: Beiden kommt die Funktion eines gesellschaftlichen wie kirchlichen „Kompasses“ zu. Die Tagung mit Beiträgen von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bischof Hermann Glettler, EU-Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und vielen anderen fand im Gedenken an den Sozialethik-Pionier P. Johannes Schasching SJ st