Gedanken zur Freiheit

Wann endet die Nacht und beginnt der Tag?

Ein Rabbi fragte seine Schüler: „Woran erkennt man die Stunde, in der die Nacht zu Ende geht und der Tag beginnt?“

Die Schüler fragten: „Ist es vielleicht dann, wenn man einen Hund von einem Kalb unterscheiden kann?“

„Nein“, sagte der Rabbi.

„Ist es dann, wenn man einen Feigenbaum von einem Mandelbaum unterscheiden kann?“

„Nein“, sagte der Rabbi.

„Wann ist es dann?“ fragten die Schüler.

 Es ist dann“, sagte der Rabbi, „wenn du in das Gesicht irgendeines Menschen blickst und darin deine Schwester und deinen Bruder siehst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“

FREIHEIT aus Sicht des heranwachsenden Menschen

Freiheit bedeutet, dass ein Mensch tun kann, was er will. Von Freiheit sprechen auch die Erwachsenen: Man darf selbst entscheiden, was man sagt, wo man wohnt, welchen Beruf man wählt, ob man an Gott glaubt und so weiter.

Seit dem Altertum sind sich aber die Menschen uneinig, was mit dem Wort „Freiheit“ eigentlich gemeint ist. In der Philosophie und in der Religion überlegte man sich auch: Ein Mensch kann auf verschiedene Weise frei oder unfrei sein. Wenn es um Gott geht und um das Denken, dann ist der Mensch frei. Er soll auch die Freiheit haben, sich zu entscheiden, was richtig ist. Ansonsten wäre der Mensch nur ein Spielzeug Gottes. Sie haben sich auch gefragt, ob Freiheit für alle Menschen gelten soll oder nur für einige. Sklaven hatten diese Freiheit nicht. Aber auch ansonsten kann ein Mensch in der Menschenwelt unfrei sein, weil er Verantwortung und Pflichten für andere Menschen hat.

Die Menschenrechte sagen, dass die Menschen frei sein sollen. Freiheit bedeutet heute aber auch, dass die Leute „frei von etwas“ sind. Der Staat darf ihnen nichts Schlimmes tun, ihnen nicht alles verbieten und muss sie vor anderen beschützen. Viele Philosophen und Politiker meinen aber: Die Menschen müssen auch die Möglichkeit haben, etwas zu tun. Sie müssen genug Geld zum Leben haben. Ansonsten hätten sie keine Chance, um etwas aus ihrer Freiheit zu machen.

Allerdings gibt es auch Grenzen: Zum Beispiel darf man nicht alles sagen, was man will. Es ist nämlich nicht erlaubt, jemanden zu beleidigen, mit Gewalt zu drohen, zu betrügen.